Der Sprechgesang im breiten schottischen Dialekt zu Rhythmusmaschinenbeats und elliptischen Gitarrenriffs wirkt dermaßen wie nicht von dieser Welt, dass Arab Straps Debütsingle "The First Big Weekend" unter Großbritanniens Musikkritikern zum einhelligen Favoriten avanciert und von BBC Radio One als beste Schallplatteneinspielung der Dekade wahrgenommen wird. Kaum weniger verwegen der Bandname, der ab dem zweiten Album "Philophobia" Entsprechungen in den Songtexten findet. "Elephant Shore", Album Nummer drei, wird von Streamingdiensten naheliegend als 'explizit' gekennzeichnet.
"As Days Get Dark", der erste Langspieler nach längerer Kreativpause, überbrückt durch Soloprojekte des Kernduos Aidan Moffat/Malcolm Middleton, konstatiert das altersbedingte Dahinschwinden der Fleischeslust. "Half-Told Tales" jetzt geht thematisch in die Breite. Ähnlich dem Debütalbum, einer Aufarbeitung der Regierungsära von Margarethe Thatcher, verhandeln Arab Strap gewissermaßen übergeordnete Gesellschaftsbelange.
Der Eröffnungssong "I Get Noise" weiß einiges über den Informationsoverkill unseres Gegenwartsalltags. "You You You" will ins Bewusstsein rufen, dass die Welt keineswegs ausschließlich von Dumpfbacken bevölkert wird. "Glamour Magick" handelt vom Entsetzen, das einen beim Nachrichtenscrollen auf dem Smartphone überkommt. "Fighting For You", angelehnt an Natasha Browns Politiksatire "University", ist eine Abrechnung mit rechtsextremen Gaunern, unterbelichteten Nationalisten und Charakterschweinen in Führungspositionen. "It's about certain political figures and demagogues that I don't trust to look after anyone's interest, especially the working classes. I'm trying to do that in as fun a way as I could, to make it quite entertaining without getting too grim", erläutert Aidan Moffat.
Bernd Gürtler/TM
Arab Strap
"Half-Told Tales"
(Rock Action/Integral; 4.9.26)
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