|   Rezension

Arab Strap

As Days Get Dark

(PIAS)

"I don’t give a fuck about the past, our glory days gone by", grantelt eine angejahrte Männerstimme zu Beginn des Eröffnungssongs "The Turning Of Our Bones". Sobald sich Dunkelheit über die Tage legt, sprich vom Leben inzwischen weniger bleibt als bereits verstrichen, klar, dann wird die ruhmreiche Vergangenheit schnurzegal. Was zählt ist nur noch, wie sich der mickrige Rest halbwegs um die Runden bringen lässt. Selten wurde die Vergänglichkeit der menschlichen Erdenexistenz eindringlicher geschildert als von den schottischen Arab Strap auf ihrem ersten Studioalbum nach sechzehnjähriger Kreativpause.

Arab Strap, das sind im Kern Malcolm Middleton mit seinen elliptischen Gitarrenriffs sowie Rhythmusmaschinenchampion, Sänger und Songschreiber Aidan Moffat. So poetisch und wortgewandt wie seine Dichtkunst ist, so schonungslos und deftig kommt sie daher. Nachdem in "The Turning Of Our Bones" noch die verlustig gegangene Haarpracht, die dritten Zähne, die morschen Knochen abhandelt wurden und der Ratschlag erging, "Just take my hand and be brave/We'll say goodbye to this grave/Tonight we salsa, we rave", richtet "Another Clockwork Day" den Blick auf eine verwelkte Langzeitbeziehung. Im Bett läuft längst nichts mehr, von den neumodischen Pornoclips einschlägiger Webportale fühlt sich der Protagonist auch nicht angesprochen. Bleibt ihm nur die auf angestaubten Festplatten sorgsam versteckten JPGs seiner PinUps von früher hervorzukramen, um dann selbst Hand anzulegen. Ein Sittengemälde vom Kaliber älterer Songs wie "Afterwards", "Amor Veneris" oder "Dream Sequence".

Ähnlich dem schwarzen Blues der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, sind Sinnlichkeit, Sex, Erotik Standardthemen bei Arab Strap seit Bandgründung. Eng verknüpft mit dem Bandnamen, der mindestens genauso knuffig ausfiel wie seinerzeit bei The Vibrators. Die restlichen Songs von "As Days Get Dark" handeln von einer trotz allem niemals verloschenen Liebeslust, von Reiseerlebnissen, von Trauerbewältigung. Versöhnliches findet sich kaum, höchstens dass die eher ernüchternde Lebensbilanz endlich von der Seele geredet ist. Auf dem Frontcover schwebt über allem Pedro Américos "The Night Escorted By The Geniuses Of Love And Study", gemalt 1886 und die Fotografie eines nackten Frauenkörpers verdeckend.
BG/TM

Video/Musik
"The Turning Of Our Bones"
"Another Clockwork Day"